
EINFACH LOS
DER WEG IST DAS ZIEL
Zwei Oldtimer, zwei Menschen – und eine ziemlich gute Idee
Man könnte meinen, zwei Menschen mit Zweiraderfahrung wären bestens vorbereitet, um mit zwei fast 60 Jahre alten Vespas durch Norddeutschland zu fahren.
Könnte man meinen.
Markus kennt sich durch Motocross und unsere Isetta gut mit Motoren und spontanen Reparaturen aus. Vespa war für ihn trotzdem Neuland: Handschaltung? Neu. Fußbremse? Neu.
Christine hatte schon mit 16 eine Vespa. Nach rund 35 Jahren Pause war es höchste Zeit für einen zweiten Versuch.
Unsere beiden Oldies fanden wir beim Rollerhof in Bremen. Eigentlich wollten wir sie einfach nach Starnberg fahren.


Dann kam dieses fantastische Sommerwetter. Und plötzlich wirkte die Ostsee deutlich verlockender als der direkte Weg nach Süden.
Also änderten wir den Plan. Keine komplett durchgebuchten Hotels. Keine minutiöse Route. Morgens losfahren und abends schauen, wo wir landen.
Für uns genau das Richtige. Unser Alltag ist meistens schon durchgeplant genug. Termine, Verpflichtungen, Kalender, Dinge, die müssen. Im Urlaub wollten wir einmal nur Dinge tun, die können.
Dass unsere Vespas das Thema „Planlosigkeit“ sehr engagiert unterstützen würden, ahnten wir da noch nicht. Erst einmal los
Bei den ersten Testrunden zeigte sich ziemlich schnell: 30 Jahre Pause hinterlassen Spuren.
Christine musste Handschaltung, Kupplung und Fußbremse erst wieder zusammenbringen, Markus alles komplett neu lernen.
Die ersten Meter waren deshalb weniger Dolce Vita und mehr: Welcher Hebel macht jetzt was? Aber irgendwann lief es.
Die ersten Meter auf unseren Oldies
…gleich schon mal einen Beinahe-Zusammen-Stoß mit dem Rollerhof-Verkäufer und Markus..
…da lief es bei Christine etwas besser an….da sprühten gleich die Funken… :o)
Kleines Scherzelein :o)
….so war die Wirklichkeit…
Bevor es wirklich losging
Bevor die große Reise dann wirklich beginnen durfte, mussten unsere beiden neuen alten Schätzchen natürlich noch mit all unserem Gepäck bestückt werden – gar keine einfache Aufgabe.
Jetzt erst einmal tanken. Bei einem Zweitakter bedeutet das nicht einfach Zapfpistole rein und fertig. Benzin und Öl müssen selbst im richtigen Verhältnis gemischt werden. Nach kurzem Überlegen, Rechnen und gegenseitigem Kontrollieren hatten wir es geschafft. Die beiden Vespas schnurrten anschließend wie zwei gut gefütterte Kätzchen.



Fast pannenfrei Richtung Hamburg
Dann ging es Richtung Hamburg. Fast pannenfrei. Unterwegs zeigte uns eine Vespa nämlich schon einmal ganz dezent, dass Benzin eine nicht völlig unwichtige Rolle bei der Fortbewegung spielt: Markus blieb wegen Spritmangels liegen und durfte ungefähr 200 Meter schieben.
Im Nachhinein war das gar nicht schlecht – ein kleines Aufwärmtraining für spätere Schiebeeinheiten, von denen wir glücklicherweise noch nichts ahnten. 😅
Wer seine Vespa liebt – der schiebt :o)
Angekommen in Hamburg
Am Abend erreichten wir Hamburg und waren ziemlich stolz auf die Vespas – aber mindestens genauso auf uns. Nach rund 35 Jahren wieder auf alten Zweirädern unterwegs zu sein, war aufregender als gedacht.

Vor allem die Handschaltung hatte ihren eigenen Charakter. Bei der weißen Vespa ging der erste Gang so schwer hinein, dass Christine teilweise beide Hände brauchte. Blasen an den Fingern und schmerzende Handgelenke inklusive.
Vermutlich hatte Christine die Schaltung am ersten Tag dabei so liebevoll-unbeholfen misshandelt, dass sich der Bowdenzug schließlich gelöst hatte – zumindest wäre das eine ziemlich plausible Erklärung für das, was uns am nächsten Tag erwartete. 😅
Am nächsten Tag tauschten wir deshalb die Vespas: Markus übernahm die weiße, Christine die rote. Dass Markus schon bald eine bemerkenswert innige Beziehung zum ersten Gang entwickeln würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
In Hamburg übernachteten wir im Empire Riverside Hotel mitten im Kiez. Ein tolles, hochwertiges Hotel mit einer fantastischen Bar weit oben über der Stadt – ein schöner Abschluss unseres ersten Tages.



29. Juli – Bowdenzug, Mittagspause und Markus’ Lieblingsgang
Am nächsten Morgen fuhren wir über eine ruhige Straße, als Markus plötzlich nicht mehr in den dritten Gang schalten konnte. Wir rollten Richtung Wald, stellten die Vespa im Schatten ab und Markus vermutete ziemlich schnell den Bowdenzug.

Nur etwa vier Kilometer entfernt fanden wir tatsächlich eine Vespa-Werkstatt. Also ging es im ersten und zweiten Gang dorthin. Dort hatte gerade die Mittagspause begonnen. Ein älterer Herr sah sich die Vespa trotzdem kurz an und erklärte, das sei nicht schnell zu reparieren; ein bis zwei Tage müssten wir wohl rechnen.
Markus sah das anders. Und hier zahlte sich aus, dass ihn unsere Isetta seit Jahren in spontanen Straßenrandreparaturen ausbildet. Er schob die Vespa in den Schatten, packte sein Werkzeug aus und rief beim Rollerhof an.



Es wurde geschraubt, telefoniert, geprüft und wieder geschraubt. Irgendwann fehlte genau ein Schraubschlüssel. Den lieh uns die Werkstatt – zusammen mit einem nassen, schon etwas mitgenommenen Lappen für Markus’ ölverschmierte Hände. Dieser Lappen sollte uns tatsächlich noch die ganze Reise begleiten.
Nach ungefähr einer Stunde war der Bowdenzug wieder eingestellt. Von da an hörten wir während der Fahrt regelmäßig: „Oh, wie schön der erste Gang reingeht!“ Markus hatte einen neuen Lieblingsgang.
Den fehlenden Schraubschlüssel wollte uns die Werkstatt leider nicht verkaufen. Also führte uns der nächste Weg zu Louis, wo wir einen ganzen Werkzeugsatz kauften, nur um genau diesen einen Schlüssel künftig dabeizuhaben. Unser ohnehin schon sportliches Gepäckproblem wurde durch einen zusätzlichen Werkzeugsatz natürlich nicht gerade einfacher. Aber inzwischen wussten wir: Bei einer Oldtimer-Vespa ist Werkzeug kein Gepäck, sondern Reiseversicherung. Damit war viel Zeit vergangen und wir schafften es an diesem Tag nur noch bis Bad Segeberg.
Bad Segeberg – Hitze, Pizza und AC/DC
Wir schafften es nur noch bis Bad Segeberg. Völlig egal. Wir hatten ja nichts fest gebucht.
Genau das war inzwischen das Schönste: Wenn wir nur bis Bad Segeberg kamen, dann war Bad Segeberg eben das Ziel.

Unser Zimmer lag unterm Dach und könne, so hieß es, „etwas warm“ sein. Bei über 30 Grad eine sehr charmante Beschreibung.
Dachsauna wäre treffender gewesen. Nebenan gingen wir Pizza essen. Der Kellner nahm die Bestellung auf und vergaß uns anschließend offenbar komplett. Nach etwa einer Stunde fragte uns der Kellner, ob wir vielleicht auch gerne etwas essen würden. Wir lächelten ihn an und sagten „Das ist eine ausgezeichnete Idee“ und bestellten noch einmal.
Dann kam die Pizza. Und die war so gut, dass wir sofort wieder versöhnt waren. Danach Eis für Markus Spaghettieis (das wird sich auf der Reise noch einige Male wiederholen) und für Christine ein gemischtes Eis mit Schlagsahne – das hatten wir uns verdient bei über 30 Grad noch am Abend.
Dann spazierten wir in dieser unglaublich schönen, warmen Sommernacht durch die uns völlig unbekannte Stadt.



Später spielte auf dem Marktplatz auch noch eine AC/DC-Coverband. Ungeplant, warm, laut und großartig.
Genau deshalb wollten wir keinen festen Reiseplan.
Gegen Mitternacht fielen wir in unserem sehr warmen Dachzimmer ins Bett. Wir haben trotz der Hitze erstaunlich gut geschlafen. Könnte an der vielen frischen Luft gelegen haben. Am nächsten Morgen gab es ein ordentliches, eher schlichtes Frühstück – und dann ging es weiter.
Plön – eine schöne spontane Begegnung
Plön stand überhaupt nicht auf unserem Reiseplan. Am Abend zuvor hatten wir Fotos in unseren WhatsApp-Status gestellt. Darauf meldete sich Frauke, mit der Christine aufgewachsen war. Sie war mit ihrer Frau Astrid gerade auf einem Campingplatz am Plöner See.

Da unsere Planung ungefähr lautete: „Irgendwie Richtung Ostsee“ … fuhren wir einfach vorbei.
Ein, zwei Stunden sitzen, erzählen, lachen, froh sein, sich mal wieder gesehen und in alten Zeiten geschwelgt zu haben – sehr sehr schön war es.
Völlig ungeplant. Und genau deshalb schön. Genau solche spontanen Begegnungen geben einer Reise ihren eigenen Charme – ohne dass man sie vorher in irgendeinen Reiseplan schreiben könnte.
Weißenhaus – plötzlich Luxus
Danach ging es weiter Richtung Ostsee. Unsere Unterkunft hatten wir erst kurz vor der Ankunft gebucht. Markus hatte das Weissenhaus Private Nature Luxury Resort ausgesucht – und damit einen Volltreffer gelandet.
Eine riesige, wunderschön gepflegte Anlage mit Schloss, historischen Fachwerkhäusern, Wellnessbereich, Indoor- und Outdoorpool, langen Alleen und das alles direkt am Meer.

Die Einfahrt in das luxuriöse Resort…
Eindrucksvoll öffnet sich das Tor und über das Kopfsteinpflaster ging es in die Anlage. Unsere beiden Oldtimer holperten und schepperten die Auffahrt hinunter.










Unsere Vespas durften sicher unter einem bewachten Carport stehen – zwischen Porsche, Ferrari und anderen automobilen Kostbarkeiten. Finanziell vielleicht die kleinsten Fahrzeuge dort, charakterlich ganz sicher nicht.
Unser Zimmer lag in einem alten Fachwerkhaus und hatte tatsächlich Meerblick. Ab diesem Moment wurde unsere Reise noch ein bisschen romantischer: tagsüber unterwegs sein, abends gemeinsam ans Meer und einfach schauen, wie langsam die Sonne verschwindet.



Meer, Ruhe und Sonnenuntergänge
Das Meer lag glatt wie ein Spiegel vor uns. Wir mieteten einen Strandkorb, sprangen in die etwa 18 Grad kühle Ostsee und wechselten später auf unsere Handtücher im warmen Sand. Fast ein bisschen Karibikgefühl – nur mit norddeutscher Wassertemperatur.
Später saßen wir im Bootshaus direkt am Meer, tranken etwas Kühles und genossen den Blick. Am Abend aßen wir dort fantastisch, spielten noch eine Runde Schach und ließen den Tag langsam ausklingen.



Was uns besonders in Erinnerung geblieben ist, waren die Abende am Meer. Fast jeden Abend schenkte uns die Ostsee einen anderen traumhaften Sonnenuntergang. Wir saßen zusammen, schauten aufs Wasser und merkten, wie herrlich langsam die Zeit werden kann, wenn man keinen Termin mehr hat und am nächsten Morgen noch nicht einmal genau wissen muss, wohin man fährt.
Vielleicht waren genau diese stillen Stunden das schönste Gegenstück zu unseren kleinen Pannen: tagsüber schrauben, fahren, suchen und improvisieren – abends nur wir zwei, das Meer und die untergehende Sonne.
Frühstück bis zwölf – und ein Geburtstag, der noch keiner war
Eine der besten Eigenschaften des Resorts: Frühstück bis 12 Uhr. Ausschlafen und trotzdem in aller Ruhe frühstücken – für uns beinahe ein eigenes Qualitätsmerkmal.
Frische Säfte, Obst, Nüsse, Körnersemmeln, Wurst, Käse, Eier und praktisch alles, was man sich wünschen konnte. Wir saßen draußen auf der Terrasse mit Blick auf das Schloss.


Während des ersten Frühstücks kam eine Kellnerin mit Blumen, einem kleinen Kuchen und einer Karte an den Tisch – wir dachten schon „Was ein freundlicher Empfang“ und gratulierte Christine herzlich zum Geburtstag. Ach wie schön, aber Geburtstag…stand noch nicht an.
Die Blumen durften nach kurzer Verhandlung trotzdem bleiben. Nur die Karte nahm die Kellnerin wieder mit – angeblich bringe eine falsche Geburtstagskarte Unglück. Wir wollten auf dieser Reise wirklich nicht noch zusätzlich das Schicksal herausfordern.
Hohwacht – und Werkstatt Nummer zwei
Nach dem Frühstück wollten wir nach Hohwacht. Diesmal nur mit einer Vespa, mit der weißen, weil man darauf zu zweit bequemer sitzt. Am Tor der Hotelanlage stellten wir allerdings fest, dass Lenker und Vorderrad inzwischen unterschiedliche Vorstellungen von „geradeaus“ hatten.
Also wieder Werkstatt. Zwei Kilometer entfernt fanden wir eine. Markus landete am richtigen Eingang und kümmerte sich mit einem Mitarbeiter um Werkzeug und Reparatur. Christine nahm den anderen Eingang, landete beim Vermieter, der auch eine uralte Vespa in seiner Garage stehen hatte und führte dort erst einmal ein Gespräch über alte Vespas. Unsere Rollenverteilung funktionierte inzwischen hervorragend: Einer schraubt, einer knüpft Kontakte.

Danach ging es nach Hohwacht. Zu zweit auf einer Vespa ist alles noch ein bisschen romantischer. Christine konnte sich einfach hinten an Markus festhalten, die Landschaft genießen und während der Fahrt Fotos und kleine Videos machen.
Ruhiger Strand, ein schöner Spaziergang und natürlich Eis. Markus: Spaghetti-Eis. Christine: ein Eiskalter Engel aus Orangensaft, Vanilleeis und Sahne. Man muss schließlich auf eine ausgewogene Reiseernährung achten.
Fehmarn – ein falscher Weg, der genau richtig war
Am nächsten Morgen wollten wir nach Fehmarn. Die Strecke war wunderschön und teilweise direkt am Meer entlang. Es war einer dieser Tage, an denen wir gar nicht schnell ankommen wollten, weil schon der Weg viel zu schön war.
Wir verfuhren uns und landeten auf einem Bauernhof. Was zunächst wie eine falsche Abzweigung aussah, wurde wieder einmal zum Glücksfall. Wir stellten die Vespa ab, liefen über den Hof und standen plötzlich fast allein am Meer. Vor uns die Fehmarnsundbrücke, Segelboote, Motorboote und ein herrlicher Sommertag.


Auf der Brücke war Stau. Also blieben wir einfach am Strand, bis er verschwunden war. So kann Verkehrsplanung auch funktionieren.
Auf Fehmarn fuhren wir später zum kleinsten Flugplatz von Deutschland. Wir sahen einer Cessna beim Starten und Landen zu. Dort entstand eines unserer Lieblingsbilder: Markus auf der weißen Vespa und die Cessna tief darüber – zwei ganz unterschiedliche Arten, einfach loszufahren.
Auf dem Rückweg machten wir noch einen spontanen Abstecher nach Oldenburg in Holstein und fuhren anschließend zurück nach Weißenhaus.
Der Abend mit unserem Zelt
An diesem Abend kam unser Zelt zum Einsatz. Wir wollten es unbedingt einmal ausprobieren. Markus hatte ein kleines praktisches Zelt gekauft, das tatsächlich ratzfatz stand. Luftmatratzen hinein und fertig war unser kleines Schlafzimmer am Meer.
Während Markus ein Nickerchen machte, zog Christine einen kleinen Weg vom Zelt Richtung Wasser, räumte Steine zur Seite und legte daraus „Markus ♥ Christine“ in den Sand. Als Markus aufwachte und es sah, war die Freude groß.



Wir lagen zusammen im Zelt, hörten das Meer und überlegten tatsächlich, die Nacht dort zu verbringen. Am Ende lasen wir nach, dass Zelten beziehungsweise Übernachten an öffentlichen Ostseestränden grundsätzlich nicht einfach erlaubt ist.
Also blieben wir noch eine Weile, kuschelten uns ins Zelt, sahen wieder einen traumhaften Sonnenuntergang und bauten später alles ab. Danach gingen wir zurück in unser wunderschönes Zimmer. Campingromantik mit Fünf-Sterne-Rückzugsmöglichkeit – auch nicht schlecht.
Timmendorfer Strand – diesmal klappt´s…
Am nächsten Morgen hieß es Gepäck-Tetris. Während Christine versuchte, unser inzwischen wundersam vermehrtes Gepäck wieder auf den Vespa´s unterzubringen, zog Markus an der weißen Vespa erneut den Bowdenzug nach.
Kurz nach dem Start lockerte er sich wieder. Also: Waldrand, Werkzeug raus, ungefähr eine Stunde schrauben.


Währenddessen buchte Christine unser Hotel am Timmendorfer Strand. Eine Bedingung war nicht verhandelbar: Meerblick und Balkon. Kurz danach ging die Fahrt auch schon weiter.
Nach dem Einchecken im neuen Hotel gingen wir auf die Seebrücke, liefen die Promenade entlang und landeten – wenig überraschend – wieder beim Eis. Markus bekam sein Spaghetti-Eis, Christine ein Softeis mit Schokoladenüberzug. Wir setzten uns auf die Felsen direkt am Meer, aßen unser Eis und wurden von den Wellen ein paar Mal nass. Herrlich – genau so durfte sich ein Tag an der Ostsee anfühlen.



Am Abend tranken wir noch einen Cocktail auf der Terrasse und sahen wieder einen dieser traumhaften Sonnenuntergänge. Inzwischen gehörte dieses gemeinsame Innehalten am Wasser fast zu unserem täglichen Ritual.
Am nächsten Morgen wurden wir am Timmendorfer Strand mit einem wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt.

Beim Frühstück kam diesmal eine Mitarbeiterin mit Geburtstagsglückwünschen zum richtigen Datum und Prosecco. Später gingen wir noch an den Strand. Als Christine vom Schwimmen zurückkam, lag unter ihrem Handtuch etwas Hartes: eine alte Weinflasche. Markus hatte darin als Flaschenpost ihr Geburtstagsgeschenk versteckt. Was es war, bleibt unser Geheimnis. Aber romantischer hätte es kaum sein können.
Die Panne, die uns nach Lauenburg brachte
Gegen 15 Uhr wollten wir weiter. Doch der Benzinhahn der roten Vespa war über Nacht offen geblieben und die Zündkerze komplett nass. Mit telefonischer Hilfe vom Rollerhof und nach einer kleinen Suche nach dem richtigen Werkzeug wechselte Markus die Zündkerze. Rund eine Stunde später lief sie wieder.
Unterwegs fragte Markus mehrfach, ob wir tanken sollten. Christine war überzeugt, dass noch genug Sprit da sei. Diese Einschätzung hatte Entwicklungspotenzial.
Wir gerieten in eine wunderschöne, sehr dünn besiedelte Gegend. Felder, Höfe, kaum Menschen – und keine Tankstelle. Die rote Vespa lief längst auf Reserve. Nach ungefähr 18 Kilometern war endgültig Schluss.
Auf der sehr befahrenen Schnellstraße ging die Vespa aus und Christine blieb mitten in einer Kurve liegen. Einen guten Moment abgepasst schob sie schnell die Vespa über die Straße. Was nun. Der Tank war leer.
Markus kam mit Benzin im Beutel zurück, tankte auf – doch die Vespa hatte noch eine Überraschung: Der Kickstarter ging durch, starten wollte sie trotzdem nicht.
Damit war klar: Für heute war Schluss. Also buchten wir spontan ein Zimmer in der Mühle in Lauenburg. Glücklicherweise war um diese Uhrzeit tatsächlich noch eines frei.
Und wie es sich für eine Mühle offenbar gehört, lag sie natürlich oben auf einem Berg.
Markus brachte Christine und das Gepäck zunächst zur Unterkunft, lief anschließend zurück und schob die rote Vespa rund zwei Kilometer bis zur Mühle.
Spätestens da wussten wir auch, wofür die 200 Meter Schiebetraining am Anfang der Reise gut gewesen waren.
Am Abend organisierte der Rollerhof blitzschnell einen Transport. Gegen 22:30 Uhr lies mir dann beide Vespas abtransportieren, da auch die weiße Vespa Benzin verlor und der Bowtenzug sich immer wieder lockerte. Die Gefahr, dass wir an unserem letzten Tag noch einmal liegen bleiben könnten, war uns zu hoch und somit akzeptierten wir, dass unsere Reise einen Tag früher mit den Vespas beendet war, als geplant.



Die alte Mühle . Zum Glück befand sich unser Zimmer nebenan in einem separaten Anbau. Auch wenn das Bett extrem unbequem und die Matratzen durchgelegen waren, war es uns immer noch lieber, als in der alten Mühle direkt zu übernachten, oder gar auf irgendeinem Parkplatz – trotz des tollen Zeltes ;o)
Lauenburg – ein ungeplanter Aufenthalt mit Geschichte
Am nächsten Tag liefen wir zu Fuß in die Altstadt. Lauenburg überraschte uns mit wunderschönen, sehr gepflegten Fachwerkhäusern.



Heute gab’s bereits zum Mittagessen ein Eis. Markus blieb seinem Spaghetti-Eis treu, Christine nahm ein gemischtes Eis und beide einen Cappucino. Das war auf unserer Reise das süßeste und beste Eiscafe, in dem wir speisten.


Besonders zu empfehlen, die kleine Eiscafe 49 im Ortskern von Lauenburg.



Sowie interessante Schilder:


Beim Fotografieren eines besonders schönen Hauses öffnete sich plötzlich die obere Hälfte einer geteilten Haustür und eine ältere Dame schaute heraus. Aus einem kurzen Scherz über das Foto wurde ein ungefähr halbstündiges Gespräch. Sie und ihr Mann hatten nach rund 40 Jahren Hannover verlassen und im Alter noch einmal ganz neu in Lauenburg angefangen – ohne dort jemanden zu kennen. Sie meldeten sich im Ruderverein und bei Kursen an, fanden neue Freunde und bauten sich ein neues Leben auf. Das beeindruckte uns sehr.
Zum Abschied schenkten sie uns einen selbst geschnitzten Holzfisch.

Heute steht er bei uns im Badezimmer und erinnert uns jeden Tag an diese Reise – an einen Ort, an dem wir eigentlich gar nicht bleiben wollten.
Lüneburg – ein wunderschönes Finale
Von Lauenburg ging es mit dem Taxi nach Lüneburg. Der Fahrer setzte uns ungefähr 200 Meter vom Hotel entfernt ab. Mit unserem gesamten Vespa-Gepäck bei rund 35 Grad entwickelten diese 200 Meter allerdings erstaunliche Ausmaße.
Schließlich erreichten wir das Salt & Smoky. Während wir bei einem kühlen Getränk auf unser Zimmer warteten, lernten wir den sympathischen und unglaublich aufmerksamen Betreiber kennen.
Lüneburg selbst begeisterte uns: wunderschöne Altstadt, außergewöhnlich gepflegte, sehr alte Häuser und unglaublich viel Atmosphäre. Für uns eine der schönsten Städte Deutschlands.





Am nächsten Morgen gab es im Salt & Smoky eines der besten Frühstücke, die wir je gegessen haben. Wir unterhielten uns lange mit dem Gastgeber; dabei entstand auch unser gemeinsames Foto. Ein wunderbarer letzter Morgen.




Zurück nach Bremen – und nach Hause
In Lüneburg besorgten wir uns einen Mietwagen. Eigentlich hatten wir überlegt, auf dem Weg nach Bremen noch einen kleinen Umweg über Soltau zu fahren. Aber kaum saßen wir im Auto, merkten wir: Mit dem Auto macht ein Umweg einfach keinen Spaß. Nicht einmal dann, wenn er eigentlich gar nicht besonders groß wäre. Auf der Vespa ist ein Umweg ein Abenteuer, eine neue Straße, ein neuer Blick und vielleicht die nächste Geschichte. Im Mietwagen war es plötzlich einfach nur ein längerer Weg. Also fuhren wir direkt nach Bremen. Unser erster Weg führte zum Rollerhof, denn natürlich wollten wir wissen, wie es unseren beiden Patientinnen ging.
Danach fuhren wir zu Christines Familie, feierten noch ein bisschen Geburtstag zusammen und verabschiedeten uns später von allen und traten die Rückreise nach München an. Kurz vor der Landung lag der Sonnenuntergang unter uns – als hätte die Reise beschlossen, uns auch zum Abschied noch einmal ein besonders schönes Licht zu schenken.

Gegen 23 Uhr kamen wir in Starnberg an. Ohne Vespa´s, aber mit sehr viel mehr Geschichten als beim Start.
Was bleibt
Wir waren losgefahren, um zwei alte Vespa`s von Bremen nach Starnberg zu bringen. Daraus wurde etwas völlig anderes.
Wir reparierten Bowdenzüge, wechselten Zündkerzen, kauften Werkzeug, schoben Vespa´s, fuhren einen Tank leer, bauten ein Zelt am Meer auf und wieder ab, trafen alte Bekannte und völlig fremde Menschen, die uns einen Holzfisch schenkten.
Wir aßen sensationelle Pizza, außergewöhnliches Frühstück und eine bemerkenswerte Menge Eis. Markus entdeckte seine Liebe zum ersten Gang und bestätigte nebenbei seine noch größere Liebe zum Spaghetti-Eis.
Aber zwischen all den kleinen Pannen und Abenteuern waren da auch diese ganz ruhigen Momente: gemeinsam auf der Vespa, der Wind, das Meer, die fast täglichen Sonnenuntergänge und am Timmendorfer Strand dieser wunderschöne Sonnenaufgang. Momente, in denen wir gar nichts brauchten außer Zeit füreinander und die Freiheit, einfach dort zu sein.

Wir haben gelernt, dass man mit alten Fahrzeugen zwar nicht immer dort ankommt, wo man morgens hinwollte – dafür aber erstaunlich oft dort, wo man etwas erlebt, das man nie geplant hätte.
Vielleicht ist genau das unser Ding: nicht alles durchplanen, nicht immer den kürzesten Weg nehmen und nicht auf den perfekten Moment warten.
Einfach los. Denn der Weg ist das Ziel.

